Mitschreibgeschichte
Diese Geschichte entstand im Forum des Weltenbastler-Webrings
vom 28.8.02 bis 3.12.02.

Weltchen wechsel dich

Ein Drama in 11 Akten

1. Akt: Es war finsterste Nacht (1-10)
2. Akt: Chaos bricht aus (11-20)
3. Akt: Die Versammlung der Weltenbastler (21-30)
4. Akt: Ein Schrei in der Werkstatt (31-40)
5. Akt: Es droht die völlige Vernictung (41-50)
6. Akt: Dilwan greift ein (51-60)
7. Akt: Der fatale Nieser (61-70)
8. Akt: In vino veritas (71-80)
9. Akt: Das Weltengericht (81-90)
10. Akt: Das Backup (91-100)
11. Akt: Logikfehler ex machina (101-110)
End Credits (111-117)

1. Akt: Es war finsterste Nacht

1-10 11-20 21-30 31-40 41-50 51-60 61-70 71-80 81-90 91-100 101-110 111-117
Intro

Der Weltenwexler
28.08.02 um 14:37:50

Es war finsterste Nacht.
 
Zumindest auf den Welten mit nur einem Mond. Die anderen trieben im blauen, grünen oder auch roten Dämmerlicht ihrer jeweiligen Trabanten friedlich und leise schnarchend vor sich hin.  
 
Die große Weltenbastlerwerkstatt lag im Dunkeln, nur manchmal glomm sie im Schein einer vor dem Fenster vorbeidriftenden Spiralgalaxie matt auf, und dann wurden im düsteren Schein die Werkzeuge der Bastler erkenbar: Hammer, Nägel, jede Menge Karton, Stifte, Papier, Kartenmaterial, Spielkarten, Kassettenrekorder, Wasserfarben und vor allem Computer. Eine schier endlose Zahl von Konsolen, jede davon liebevoll mit kleinen Einzelheiten der jeweiligen Welt (und unzähligen Merkzetteln) dekoriert.
 
Eine Tür knarrte.
 
Lautlos schob sich eine vermummte, schwarzgekleidete Gestalt in den Raum. Eine Taschenlampe blitzte auf, der Strahl glitt über Werkzeuge und Computer und traf auch kurz vor dem Fenster eine vorbeidriftende Welt (zufällig war es Twinion), deren Bewohner verstört zum Himmel hochstarrten und deren Priester eilig die Wiederkehr eines Dunklen Gottes prophezeiten.
 
Die Gestalt schlich durch die Werkstatt, hielt ein paarmal inne und vertauschte ein paar Kleinigkeiten: hier stellte sie eine Bridaniin-Statue neben das Gläserne Orakel, da stahl sie einen Eisschmelzer und tauschte ihn gegen ein Vouta aus, dort hinten nahm sie einen Stift und setzte in eine Karte von Weslaran den Namen Draghaven ein.
 
Teuflisch vor sich hin kichernd, stahl sie endlich einen Drachen von Araun und versah ihn mit einer abgelaufenen TÜV-Plakette, dann ließ sie ihn über der Chantareij frei.  
 
Ganz am Schluß nahm sie einen Eimer rote Farbe, der bei der Erstellung von "Roter Mond" vergessen worden war, und malte in riesigen Buchstaben die Worte "DILWAN WAS HERE" quer über das Weltenfenster.
 
Dann huschte sie hinaus. Hinter ihr versank die Weltenbastlerwerkstatt wieder in Schweigen. Diesmal war es eher ein Schweigen der Bestürzung als des Friedens.
2

KeyKeeper
31.08.02 um 17:47:20

Müde tapste KeyKeeper von ihrem Bett zur Tür ihres Zimmers, um sich einen nächtlichen Imbiss zu gönnen. Sie warf sich ihre Kutte um (tja, hättet ihr vorhin darauf geachtet, dann wüsstet ihr jetzt auch, was sie drunter trägt!) und schlappte gerade gemütlich Richtung Kulinarischer Welten Zentrale (im Volksmund auch als WB-Küche bekannt), da trat sie in etwas nasses, kaltes, glitschiges.  
Angeekelt betrachtete sie ihren Fuss. Feuchte rote Farbe klebte daran. Und als sie einen genaueren Blick auf ihre Kutte warf, musste sie feststellen, dass diese mit Flecken derselben roten Farbe bekleckst war.  
 
Zur gleichen Zeit an einem anderen Ort:
3

martin"vi"
31.08.02 um 18:37:01

Die Drehleuchten warfen zuckende Blitze roten Lichts in die matte, drückende Dunkelheit. Alarmhörner, Sirenen und Gongs röhrten, wimmerten und hallten über das weitläufige Areal.
 
Aus den flachen, wuchtigen Bauwerken, schattenschwarz gegen nachtschwarz, stürmten Männer und Frauen, rückten eilig Splitterwesten, Helme und Waffen zurecht, sammelten sich zu Gruppen und Zügen, fielen in Laufschritt.  
 
Harte, schnelle Kommandos erklangen, ein Stakkato von Anweisungen aus Lautsprechern.
 
Fern, weit von den Gebäuden, flammten vier winzige Lichtpunkte auf. Donner wusch über Menschen, Gebäude und Land, als die Lichtpunkte schneller und immer schneller heran jagten, zu den Abgasflammen zweier gedrungener Kampfflugzeuge wurden, die sich in den Himmel schwangen und im Brüllen ihrer Triebwerke in der Nacht verschwanden.
 
Nacht und Stille fluteten in die Wunde aus Lärm, Abgasen und organisierter Hektik. Scheinbar friedlich lag das Areal wieder im Schweigen. Unter der dünnen Decke aus Dunkelheit wütete ein tödliches Fieber.
 
"Rabe Leiter, bestätigen Sie Kurs zwo-zwo-fueneff, Steigen drei. Kommen."
 
Der Raum war riesig, in dämmriges rotes Licht getaucht, voller bunter, wirbelnder Leuchtpunkte und flimmernder Bildschirme.  
 
"Amé Basis, bestätige zwo-zwo-fueneff, Steigen drei. Frage Kontakt?"
 
Eine Frauenstimme, flach, fast ausdruckslos, angestrengt von den Andruckkräften des himmelwärts stürmenden Jägers.  
 
"Rabe Leiter, Kontakt in sechs-null-null dene selre." - "Bestätige sechs-null-null Kontakt mit Streuner Eins."
 
Dann: "Rabe Flügel und Amé Basis: Waffentest." – "Bestätige, Rabe Leiter." Eine grollende Männerstimme. "Ich teste Bord-MG."
 
Auf einem Display zuckten Zahlen. Drei Salven zu drei Schuss aus den sechs 35 mm-Bordkanonen.  
 
"Rabe Flügel: Amé Basis bestätigt Waffentest positiv." - "Danke."
 
Der militärische Funkverkehr flutete hin und her.  

Schliesslich: "Rabe Leiter: Kontakt in drei-null-null dene selre." – "Amé Basis: Bestätige drei-null-null Kontakt mit Streuner Eins. Rabe Flügel: Luft-Luft-Raketen sichern und offline."

Ein Mann in der Bodenkontrolle warf seiner Vorgesetzten einen Blick zu. Die schüttelte energisch den Kopf.  

"Rabe Flügel: Negativ. Ich wiederhole: Negativ für Sichern Luft-Luft-Raketen."

Erschrockenes Schweigen tropfte aus den Lautsprechern. "Amé Basis: Wir haben Mariker T9 munitioniert."

"Bestätigung, Rabe Leiter. Wenn Sie angegriffen werden, schlagen Sie mit allem zu, was Sie haben."

Stille. Ein Hauch von Resignation: "Amé Basis: Bestätige Einsatz Mariker T9 ... Jungs, ihr wisst, dass die Dinger 30 Kilotonnen Äquivalent haben." – "Ja, Rabe Leiter, ja. ... Code Freigabe für Einsatz thermonuklearer Systeme erfolgt." – "Amé Basis, bestätige Freigabe Einsatz thermonukleare Systeme."

Eine uralte Gotteslästerung: "... und segne, was du uns beschert hast."

Schweigen.

4

Yerho
31.08.02 um 19:10:26

Yerho erwachte und benötigte nur einen Augenblick, um des durchdringenden Geruchs von Lösungsmittel gewahr zu werden, der ihn aus seinem geruhsamen Schlaf gerissen hatte. Mit einem unverständlichen Brummeln, dessen Tonlage auf Unflat schließen ließ, schwang er die Hufe von seiner erhöht liegenden Schlafmatte. Die Augen des Bridaniin benötigten eine Weile, um sich an das in seinem Quartier herrschende Dämmerlicht zu gewöhnen, doch als dies geschehen war, bemerkte er sofort die Quelle des Gestanks. Wie üblich hatte er bei offenem Fenster geschlafen und sich darauf verlassen, daß der Logikfehler die Atmosphäre im Domizil der Weltenbastler daran hindern würde, in die unbelebte Leere außerhalb zu entweichen.
 
Es war der gleiche Logikfehler, der nun dafür sorgte, daß widerliche Dämpfe den Nachtschlaf des Chronisten störten. Mit zwei Schritten war er am Fenster ... Und vergaß es zuzuschlagen, als er die klebrige Farbe bemerkte, die im oktarinen Licht eines der Monde - eine kleine Plakette wies den Trabanten als Versuch Gomecks aus - in einem Mischton schimmerte, die die Bridaniin eigentlich gar nicht wahrnehmen konnten. Auch hier half der Logikfehler nach.
 
Nun schlug Yerho doch das Fenster zu, warf sich seine Kleidung über und verließ sein Zimmer. Die Farbe konnte nur aus der Werkstatt stammen, die über dem Wohnbereich lag. Während er das lange Tuch wickelte, welches seine Wanderrobe zusammen hielt, kam er am Zimmer von martinvi vorbei. Der Schöpfer von Aerthei war derzeit auf einer wichtigen Reise und konnte sich nicht um die Belange seiner Welt kümmern. Das war auch nicht nötig, denn normalerweise kamen die Bewohner aller Welten sehr gut selbst zurecht.
 
Der Chronist ging weiter und blieb schließlich vor der Treppe stehen, die nach oben führte. Er haßte Treppen, denn sie kamen seiner Anatomie nicht entgegen. Kurzentschlossen drückte er die Ruftaste des Lifts neben der Treppe. Es dauerte eine Weile, bis die Kabine da war und die Zeit genügte, um Yerho Ärger über die nächtliche Störung anwachsen zu lassen. Etwas wuchtiger, als es nötig gewesen wäre, trat er in die Kabine und tippte nachlässig auf das Tastenfeld. Sein Ärger machte einem schmalen Lächeln Platz, als er bemerkte, daß er versehentlich die Taste für die Küche gedrückt hatte. Nun gut, dachte er, wenn ich schon wach bin, kann ich auch noch einen kleinen Imbiß gönnen, bevor ich mich um den Farbkleckser kümmere.
5

Teria
03.09.02 um 13:16:47

Zur gleichen Zeit, anderswo.
 
Der Drache blinzelte. Gerade hatte er noch dösend am Hang des Winterbringers gesessen und das Land betrachtet, das sich weit unter ihm ausbreitete, und nun schwebte er plötzlich hoch über einer Gegend, die er überhaupt nicht kannte und die merkwürdig hell, klar und sachlich roch. Er nieste, aber es wurde nicht besser. Die mystischen Schwaden, an die er gewöhnt war, waren plötzlich komplett verschwunden. Aber um seinen Hals hing eine dünne Kette mit einem seltsamen Amulett und einer Inschrift, die er nicht lesen konnte.
 
Seltsam, dachte er.
 
Ein träger Flügelschlag trug ihn wieder aufwärts. Dann sah er kleine, metallisch glänzende Körper, die sich ihm von unten rasch näherten. Vögel? Andere Drachen? Neugierig schaute er nach unten.
 
----
 
Anderswo:
 
Teria drehte sich in ihrem Bett um, schob ein paar schnarchende Raben zur Seite und schlief friedlich weiter. So sah sie nicht, wie eine Hand von außen lautlos das Fenster öffnete und die gleiche unheimliche Gestalt wie vorhin leise in ihr Zimmer kletterte und zur Tür schlich.
6

KeyKeeper
03.09.02 um 14:15:32

Eine Kutte wühlte im Kühlschrank der Weltenbastler.  
Als die Schlüsselwächterin das Auftreten von Hufen hinter sich hörte, meinte sie gelassen, ohne sich umzudrehen: "Magst du auch Schokopudding?", in der festen Überzeugung, dass der Eintretende Yerho sein musste (denn sonst hatte hier niemand Hufe)...
7

Der Weltenwexler
03.09.02 um 14:30:46

Gleich darauf sank sie (die Kutte) lautlos in sich zusammen, als der Eindringling ihr einen Schlagring über den Schädel zog. Kichernd warf sich der Unbekannte die Kutte, die plötzlich keinen Inhalt mehr zu haben schien, über die Schulter und erstarrte dann, als er plötzlich echtes Hufeklappern hörte. Rasch öffnete er die Tür des Küchenschrankes und trat hindurch - geradewegs auf die Insel Misgivera, wo er die leere Hülle der Schlüsselhüterin ablegte und sich unter erneutem Kichern in einen Logikfehler auflöste, woraufhin er davonschwebte.
 
In der Küche fand Yerho lediglich einen heruntergefallenen Becher Schokopudding vor der offenen Kühlschranktür...
8

martin"vi"
03.09.02 um 15:17:43

Die Frau fluchte innerlich, während sie versuchte, mit dem Mann Schritt zu halten. Nicht, dass Gunnar denAnvarth besonders groß gewachsen war. Er bewegte sich mit einer unerbittlichen, gleichförmigen und gleichgültigen Zielstrebigkeit, die es schwer machte, Schritt zu halten.
 
"Fahren Sie mit Ihrem Bericht fort, helameen Dáréen." Der Befehl klang kalt.  
 
Warum schoss es der Frau blitzschnell durch den Kopf haben unsere Könige eigentlich fast immer einen Knacks?  
 
"Amé hat zwei Vochad-Jäger dran. Dummerweise sind die mit atomaren Waffen bestückt. Verteidigungs-Bereitschaft Stufe Blau." Ein unmerkliches Nicken. "Esmar und Teché schicken je zwei Staffeln konventionell bewaffneter Vochads raus. Die werden in ... in acht rasji selre Kontakt haben. Die Raben-Staffel zieht sich dann zurück." - "Gut. Wir wollen das Land vor einer möglichen Bedrohung schützen, nicht radioaktiv verseuchen." - "Ja, Herr. Äh ... Esmar hat einen Dowgaji-Aufklärer losgeschickt. Allerdings braucht die Kiste etwa eine halbe bis dreiviertel selre bis Kontakt." Wieder ein Nicken. Die grossen Dowgaji waren voll gestopft mit Instrumenten und trugen elf Mann Besatzung. Die vier Turboprops der unbewaffneten Maschinen lieferten bei weitem nicht die Geschwindigkeit der aggressiven, kleinen Vochad-Strahljäger.
 
"Was sagt die Schule? Was sagen die Mneri?" - Immer auf den Punkt, was, Gunnar? fragte sich der Mann voller Selbstverachtung. Wann vergibst du dir deine Fehler endlich? - "Noch nicht viel. Wir wissen aus der Satellitenüberwachung, dass das magische Potential des Objekts verdammt hoch ist." - "Wie hoch, helameen?" - Du ... ah ... natürlich ... ein Wort von dir und ich komme mir dämlich vor. - "Wir wissen es nicht. Die Skalen reichen nicht aus. Das Objekt scheint eher aus ... hmm ... 'kondensierter Magie' als aus irgendetwas anderem zu bestehen."
 
Der König blieb abrupt stehen, warf seiner Begleiterin einen wütenden Blick zu und zog sein Funktelefon.  
 
"Zentrale, hier spricht Gunnar denAnvarth. Vorrangsschaltung zum Oberkommando." Einige Augenblicke lastenden Schweigens. Dann: "General Aiken? Guten Morgen. Hier ist Gunnar. Ziehen Sie sofort die Vochad von diesem Objekt da unten in Satürn ab. Ich untersage den Einsatz nuklearer Waffen auf das Objet unter allen Umständen. Ja. Ja, General. Egal, was es tut. ersam weuréne tenel. Sie sollten sich bei Gelegenheit mal mit einem Magier unterhalten, was passiert, wenn sich zwei starke quantenmechanische Bezugssysteme überlagern. Exakt. Danke, Aiken."
 
Gunnar war seiner Begleiterin einen scharfen Blick zu. Sie stand starr, mit kalkweissem Gesicht und offenem Mund. Er berührte sie sacht am Oberarm.  
 
"Es ist eine Theorie, Dáréen. Es ist nur eine Theorie. Niemand weiß wirklich, was passiert, wenn wir Atombomben auf 'kondensierte Magie' werfen." Sie blinzelte ein paar Mal, schluckte heftig und nickte. "Und du willst nicht der erste sein, der das versucht, Gunnar."  
 
Er grinste schelmisch.
 
Verdammt, wenn du deine eisige Maske fallen lässt, könnte ich mich glatt ... Wütend schob sie den Gedanken weit von sich, räusperte sich und fuhr mit sachlicher Stimme fort:
 
"Nocolre ist der Ansicht, dass das Objekt nicht von Aerthei stammt. Erstens kennen wir keine natürlichen Vorkommen 'kondensierter Magie' und zweitens deuten Abweichungen im Wirkungsquantum, die aus Spektralanalysen ermittelt wurden, darauf hin."
 
Wieder ein Nicken. Es ist angenehm fuhr ihr durch den Kopf einen wissenschaftlich gebildeten Herrscher zu haben.
 
"Terra?" Das Wort riss sie aus ihren Gedanken. "Nein, Herr. Nocolre behauptet, dass sich die Wirkungsquanten von Terra und dem Objekt stärker voneinander unterscheiden als die von Terra und uns."
 
Ungeachtet der Verbotsschilder zündete sich Gunnar eine Zigarette an. "Hm. Interessanter Aspekt. Gut. Sehr gut." Er rauchte schweigend, starrte dabei die graue, von Röhren und Kabeln überzogene Decke des Gangs an. Schliesslich warf er die Kippe auf den Boden und zerdrückte sie mit dem Stiefelabsatz.
 
"Wir schicken es heim." Ein Entschluß des Königs. "Und dann überlegen wir, was zu tun ist, wenn andere kommen."
 
Wie immer dachte sie Wie immer. Freiheit und Einheit des Reiches müssen gewahrt werden.
 
Schweigend und achtungsvoll salutierte sie vor dem einsamen Mann.
9

KeyKeeper
03.09.02 um 16:31:31

Langsam bewegte sich die Kutte im Wind und zögerlich füllte sie sich mit Inhalt, als die Schlüsselwächterin wieder zu Bewusstsein kam und ihre Konzentration wieder auf die Aufrechterhaltung ihres "Körpers" lenken konnte. Sie schüttelte den dröhnenden Kopf, der mit Erinnerungen über ein militärisches Gespräch gefüllt war, und brummelte vor sich hin:
"Homomorphismen... jede Menge Homomorphismen..."
Benommen rappelte sie sich auf und sah sich um. Ein kurzes Fühlen in die Sphärengewebe dieses Ortes und sie wusste, wo sie war.
"JERROOOOOOOOOOOOON!", donnerte sie im nächsten Augenblick mir ihrer Traumstimme, die wie wie eine Bronzeglocke dröhnte. Jeder auf Esper, der des Traumsehens und vor allem -hörens mächtig war, musste sie gehört haben. Was ihr im Moment egal war. Hauptsache, Jerron hatte sie gehört!
10

Yerho
03.09.02 um 17:40:32

"Was sind Homomopsistinnen?", erkundigte sich Yerho, der selenruhig seinen Schokopudding löffelte. Ihm war das kurzfristige Verschwinden der Schlüsselwächterin nicht entgangen, aber er hatte längst aufgegeben, auf Biegen und Brechen einen Sinn in den Handlungen seiner Mitbastler erkennen zu wollen.
 
Die grünen Punkte im Schatten der Kapuze richteten sich auf den Chronisten, und obwohl aus dem gleichmäßigen leuchten keine Stimmung abzuleiten war, hatte Yerho eine ungefähre Vorstellung davon, was für Gedanken die Schlüsselwächterin im Augenblick bewegen mußten.
 
Mit einem Hüsteln stellte er die Puddingschüssel auf dem Tisch ab. "Jemand spielt in der Werkstatt mit Farbe herum", meinte er dann, als würde das alles erklären.
11

Dream
03.09.02 um 21:03:18

Zur selben Zeit, an einem anderen Ort ...
 
Dream wurde durch das Knarzen des Fußbodens geweckt, stellte aber kurz danach fest, daß sie eigentlich immer noch schlief. Das Bett maulte, als sich jemand auf die Kante setzte.
Dream blinzelte in das morgendliche Sonnenlicht. "Hää?" beschwerte sie sich über das grausame Wecken.
"Moooaaagnnn!" zwitscherte Dilwan und kicherte. "Bin etwas früher gekommen und es ist unglaublich langweilig und ich hab vergessen, wie man den Fernseher bedient, deswegen wecke ich dich schonmal und -"
"Ich schlafe noch!"
"Äh - ja. Ertappt. Weil ... wenn du erstmal wach bist und das erfährst, dann wirst du wütend, also dachte ich mir, ich fang ich ab, bevor du -"
"WAS HAST DU ANGESTELLT?"
"Gar nichts!" brummelte Dilwan beleidigt und schaute sie aus großen, unschuldigen, violetten Augen an. "Aber ich wette, daß ich trotzdem bald unter Verdacht gerate. Du hältst doch zu mir, oder? Oder? ODER?!"
Dream seufzte und wachte wirklich auf, und Dilwan saß wirklich auf ihrer Bettkante.
Irgendwie ... fühlte sich ... die Welt ... komisch an.
Ihre Augen verengten sich drohend und bohrten sich in Dilwans, der unbehaglich lächelte.
"WAS HAST DU ANGESTELLT?"
"Gar nichts!"
"DILWAN!"
"Ehrlich nicht! Frag KeyKeeper!"
"Das werde ich auch tun. Bring mich zu ihr!"
Dilwan seufzte. "Aber die maaaag mich doch ni-" Er brach ab und seufzte abermals. "Also gut."
Dream ließ sich widerwillig in seinen Umhang einwickeln und stand kurz darauf neben Yerho und KeyKeeper. Bevor sie etwas sagen konnte, hatte Dilwan sich bereits schnell verdrückt.
Dream seufzte. "Also, was ist hier los? Und kann ich bitte Frühstück haben?"
 

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